Tanja Schneider Schneiderart
Interview mit der Künstlerin Auf der Webseite und im Katalog werden die Besucher geduzt. Warum? Ach, es gibt schon genug Distanz und Abgrenzung auf der Welt. Vielleicht ist das unser Problem? Es heißt doch, Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennt. Ich habe das Gefühl, durch meine Kunst mit Freunden zu sprechen. Mit Menschen, die mir nahe sind. Das ist das Du ganz selbstverständlich. Wie hat alles angefangen? 2005 hat mein Mann mir zu Weihnachten eine Zehnerkarte unserer örtlichen Malschule geschenkt. Das war der Startschuss. Schon 2006 habe ich an kleinen Ausstellungen teilgenommen. Und bis 2011 habe ich zusätzlich mit meinen Steintieren Kunsthandwerkermärkte besucht. Aber ich wollte mehr: 2013 fing ich an Malerei und Grafik zu studieren, ab da hat es mich endgültig gepackt! Was inspiriert dich, wie entsteht die Idee für ein Bild? Da gibt es zwei Wege. Entweder, ich sehe etwas, das „etwas hat“, im Alltag, beim Spazierengehen. Dann fotografiere ich es. Und lege zu Hause oder direkt los. Oder ich habe noch keine konkrete Idee dazu, manchmal kommt die erst später. Die andere Variante: mich beschäftigt ein Gedanke, ein Vorfall. Ich gehe durch den Alltag, treffe andere Menschen, höre zu, oder ich gehe spazieren und meine Fragen begleiten mich. Oft „sehe“ ich in die Natur die Lösung oder zumindest eine Möglichkeit dorthin. Manchmal schaue ich in meiner Fotosammlung, ob die Lösung schon vor der Herausforderung da war. Dann erstelle ich erste Skizzen auf Papier oder direkt auf der Leinwand und das Bild entwickelt sich beim malen. Was ist die Malerei für dich? Weißt du, jeder Mensch hat etwas Besonderes. Eine Neigung, ein Talent, das ausgebaut und zu einer Bestimmung werden kann. Etwas, was dich bannt, was du mit Leidenschaft machst und was sich so absolut stimmig anfühlt. Die ganz eigene Art zu leuchten. Bei mir ist das die Malerei. Ich kann sichtbar machen, was mich erfüllt und weiterbringt. Dazu kommt meine Liebe zur Spiritualität und Philosophie und auch zur Natur. Ich kann alles verbinden und damit Menschen inspirieren, sich selbst wieder zu vertrauen. Ihnen Sicherheit und Zuversicht geben, damit auch sie ihre Träume wiederfinden und den Mut haben sie zu leben. Ich tu, was mich glücklich macht und inspiriere damit andere Menschen, genau das ebenfalls zu tun. Malerei ist für mich der sichtbare Ausdruck und die Weitergabe von Lebensfreude. Was ist wichtiger: Talent oder harte Arbeit? Definitiv harte Arbeit. Du kannst noch so viel Talent haben, wenn du nicht daran arbeitest, bleibst du ein ungeschliffener Diamant. Und der ist von normalen Steinen kaum zu unterscheiden. Nimmst du jemanden mit relativ wenig Talent, dafür aber mit Willenskraft, Disziplin und Ehrgeiz, dann wird dieser den Talentierten um Längen schlagen! Denn wenn du etwas jeden Tag über einen langen Zeitraum tust, geht es gar nicht anders als dass du zum Meister deines Fachs wirst. Das Ideale ist natürlich beides ;o) Was ist das Besondere an deinen Werken? Zunächst einmal nutze ich nur hochwertige Materialien. Die Keilrahmen sind von renommierten Herstellern wie mhp, das Aquarellpapier von Hahnemühle „Andalucia“ mit 500 g/m2. Die Pastelle sind auf Canson-Papier. Die Farben haben einen hohen Pigmentanteil, damit die Deckkraft und Brillanz gegeben ist. Ich nutze Schmincke, Lukas, Lascaux und Sennelier. Dann die Darstellung der Motive. Ich male realistisch, jeder kann erkennen, was ich zeigen möchte. Hinzu kommt die Farbauswahl, ich liebe lebendige, bunte Farben. Sie vermittleln meine Lebenslust und positive Stimmung: etwas, das uns beschwingt und damit zum Handeln bringt. Meine Bilder bestehen aus unzähligen Schichten und Farbmischungen. Es dauert seine Zeit, bis ein Acrylbild im wahrsten Sinne so vielschichtig ist, wie es sein möchte. Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr sich die Kunstwerke vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung verändern. Bei den Aquarellen sind es oft die Zufälle, die dem Bild etwas Besonderes geben; Loslassen und Laufen lassen, die Intuition führt! Aber es sind immer kräftige Farben. Raus aus dem grauen Alltag und hin zum Regenbogen! Das ist für mich Lebensfreude, ich genieße das Spiel mit Farben, Kontrasten, Betonung der Highlights, ohne den Bezug zur Natürlichkeit zu verlieren. Außerdem spiele ich gern mit der Mustererkennung (z. B. die schützenden Hände um das Baby in „Innig“), die die Botschaft des Kunstwerks oft erst auf den zweiten Blick erkennen lässt. Oder der Doppeldeutigkeit wie in „Faltenhunde“. Alles zusammen ergibt ein einzigartiges und dekoratives Kunstwerk, das der oberflächliche Betrachter schätzt. Und dem, der genauer schaut und die Botschaft entdeckt, zusätzlich einen immer wieder neuen und tiefen Zugang zu sich selbst schenkt; Denn: jedes Bild ist ein Spiegel… Wie definierst du Kunst? Das ist eine gute Frage! Ich würde sagen, alles, was bewegt. Aufrüttelt, nachdenklich macht, überrascht, erfreut, erinnert, aber auch bestürzt oder befremdet. Die Geschichte hat gezeigt, dass sich die Ansicht, was „gute“ Kunst ist, im Laufe der Zeit verändert. Viele heute hoch angesehene Künstler waren zu ihrer Zeit bettelarm oder sogar verpönt. Van Gogh z. B. hat zu Lebzeiten kein Bild verkauft. Daher kann ich wirklich nur für mich sprechen: für mich ist es Kunst, wenn ich hinschaue und es berührt mich. Ich gehe hin und bin fasziniert, auch wenn ich noch gar nicht weiß, warum. Es bringt eine Saite in mir zum Klingen. Es reicht mir nicht, es nur einmal anzuschauen, ich möchte richtig eintauchen. Das muss nicht unbedingt ein Bild sein, das passiert mir auch mit anderen Dingen. Mit Musik. Schauspiel. Gutem Essen. Einem Zuhause. Es ist eine hohe Kunst, zu schaffen, andere aus ihrem Denkmuster zu holen und zu begeistern. Eine Vision haben und andere zu sich hoch ziehen. Siich trauen, anders zu sein, sich als Mensch mit Ecken und Kanten, mit Fehlern und Unzulänglichkeiten zu zeigen. Und trotzdem -oder gerade deswegen- eine enorme Ausstrahlung besitzen. Was ist deine Vision? Eine Welt mit Wertschätzung von allem, was lebt. In der allen bewusst ist, das wir Teil eines Ganzen sind. In der jeder in sich ruht und erkennt, was wirklich wichtig ist. In der wir den Mut haben unsere Stärken zu leben. In der Kinder in der Schule das Fach „Glück“ auf ihrem Stundenplan finden. Eine Welt, in der wir alle so sein können, wie wir sind und keine Masken mehr brauchen, weil wir toll sind, wie wir sind. Wer in sich ruht und seine Stärken für sich und die Gemeinschaft auslebt, hat kein Interesse an Macht, Reichtum, Ausgrenzung und Gewalt. Weil die Angst verschwunden ist; du hast bereits alles, was zählt. Und das ist die Gemeinschaft, die gegenseitige Unterstützung, die Vielfalt und das Leben im Einklang mit der Natur. Utopisch? Ganz bestimmt. Aber absolut lohnenswert! Ich wünsche mir, mit meinen Kunstwerken einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.
Tanja Schneider
-Schneiderart-
Mit der Kunst hin zur Natur zurück zu dir selbst